Trajektkreisel und Sexsteuerautomat: Bonn ist eine Fettleber . . .

Bonn ist eine Fettleber, sagte Herr Schröder aus dem Bundeskanzleramt zu mir am Telefon, nachdem ich eine Postkarte aus Bonn dorthin geschickt hatte als Reaktion auf die Meldung, dass dem ehemaligen Eishockeyspieler und damaligen Chef von Mobilcom 500 Millionen Euro überwiesen würden, damit er nach der Ersteigerung einer UMTS-Lizenz nicht pleite geht – das hieß dann Privatisierung von Staatsbetrieben im Zuge der Liberalisierung des Marktes!

 

Nun ja, es war damals nicht der spätere Gaskanzler am Telefon, sondern ein Staatssekretär mit exakt demselben Namen, der sich meiner Beschwerde angenommen hatte, dass man so unseriösen Personen das Geld mit vollen Händen hinterherwerfe.  Er hatte jedoch kein Mitleid mit den Menschen, die in Bonn leben, der Stadt, in der er mich anrief und vor nicht allzu langer Zeit seinen Dienstsitz hatte. Geblieben ist mir als Erinnerung die Überschrift als Zitat aus dieser Begebenheit.

 

Schwamm drüber, hätte Jesus damals am See Genezareth sagen können, aber nein, er wollte die Welt verändern. So auch die Bonner Stadtverwaltung, ohne Geld im Stadtsäckel und mit kollektiver Tatenlosigkeit im Rathaus wundert einen hier nichts mehr. Bonn, die Schöne am Rhein, mal abgesehen von der WCCB-Ruine eine lebenswerte Stadt, die auch immer wieder mit verblüffenden Ideen auf sich aufmerksam macht. Für weltweite Wahrnehmung sorgte jedenfalls damals der Sexsteuerautomat.

 

Ein wahres Kunstwerk ist dagegen der Trajektkreisel. Es handelt sich hier um ein Verkehrsbauwerk, das für 4,5 Millionen Euro keine Veränderung der möglichen Verkehrswege schafft, bis auf die Möglichkeit, von Süden mit Fahrtrichtung Bonn links abzubiegen; bloß wohin, da ist doch nur der Gleiskörper der Bahn, alles andere ließ sich auch vorher mit dem Linksabbieger fünfhundert  Meter weiter erreichen.

 

Die Verkehrsplanung für dieses Bauwerk ist 40 Jahre alt und hatte nach seinerzeitigem Forschungsstand keine Fahrradwege vorgesehen. Gut, dass die Stadtverwaltung sich vorgenommen hat, sich als Fahrradhauptstadt 2020 zu bewerben. Zu diesem Anlass kann auf der dann fertiggestellten B9 vom Oberbürgermeister eine Militärparade abgenommen weden! Ob da einer hingehen wird, ist eine andere Sache, wahrscheinlich sind eh die Schranken zu.

 

*Foto: gefunden auf rhein:raum, Montage unbekannt (Twitter), Ursprungsfoto, ohne Sonnenbrille, Rolex und Bikini-Schönheiten, von Volker Lannert


4 Reaktionen zu “Trajektkreisel und Sexsteuerautomat: Bonn ist eine Fettleber . . .”

  1. Andreas Moll

    Lieber Bernd Voss,
    ich bin neidisch und hätte hier in der Nachbarstadt Köln auch gerne einen Herrn Schröder, der mir eine solche Steilvorlage gibt. „Bonn ist eine Fettleber“. Steatosis hepatis, so habe ich gelesen, ist eine häufige Erkrankung der Leber mit in der Regel reversibler Einlagerung von Fett aufgrund Überernährung, Alkoholmissbrauch oder Medikamentenkonsum – ich hoffe sehr, dass der Fettabbau in Bonns Leber nicht lange auf sich warten lässt. Ebenso der Kommentar von Herrn Schröder aus dem Bundeskanzleramt.
    Viele Grüße aus dem Kölner Süden, Andreas Moll

  2. GHM

    Nicht nur GA und Rundschau, auch die Stadt selbst spricht ja ganz offiziell vom Trajektknoten. Was mögen sich die Bonner Planer und Stattverwalter dabei gedacht haben? In solchen Fällen frage ich mein Deutsches Universalwörterbuch. Unter dem Stichwort Knoten lese ich staunend „Festgezogene Verschlingung von Bändern…“ und „krankhafte Verdickung von Gewebe…“. Den Hintersinn versteht man aber erst, wenn man während des Berufsverkehrs im wellenartig stauenden Verkehrsstrom dahindümpelt: „Maßeinheit für die Geschwindigkeit bei Schiffen“. Ein Knoten entspricht einer Seemeile pro Stunde. Ja, das kommt etwa hin.

  3. kugelblitz

    Stadtverwaltung und Politik stochern im Nebel.

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/dottendorf/Unterfuehrung-wuerde-7-3-Millionen-kosten-article1009698.html

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