“large two forms” von Henry Moore: Eine Assoziationskaskade über die Bonner Stadtentwicklung

Wie Grabräuber verhielten sich frühe Archäologen, als sie ausgegrabene Kunstschätze aus ihren angestammten Heimatländern in Sammlungen und Museen in die Metropolen Europas verschleppten. Hat Nofretete jemals gesagt: “Ich bin ein Berliner”?

 

Die Plastik “large two forms” ließ im Jahre 1979, elf Jahre vor der Wiedervereinigung, Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt vor der rückseitigen Zufahrt des Bonner Bundeskanzleramtes aufstellen. Ob den beiden großen Formen die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten thematisch zu Grunde liegt ist umstritten, wird aber gerne so interpretiert.

 

Als er seinem späteren Nachfolger Gerhard Schröder empfahl, diese Skulptur mit nach Berlin zu nehmen, beliess Letzterer das Werk in Bonn, vielleicht auch in Rückbesinnung auf die erfolgte Wiedervereinigung Deutschlands. Das Kunstwerk steht immer noch vor dem heutigen Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Auch sonst war der rauchende Altkanzler nicht als glühender Vereehrer Bonns bekannt, zu Bonn, der Bundehauptstadt, sagte er dazu im O-Ton: „Als deutsche Hauptstadt ein trauriger Witz, aber Realität.“

Sein vielzitierter Ausspruch, „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, ist auch auf die Bonner Stadt- und Verkehrsplanung anwendbar. Nachdem über 20 Jahre an dutzenden Versionen für einen Reutertunnel geplant worden ist, wird nun eine Verkehrsberuhigung der Reuterstraße wegen Lärm-und Schadstoffemmisionen gefordert, aber die Notwendigkeit eines Venusbergtunnels standhaft bezweifelt, und das, obwohl die Nutzung der Ermekeilkaserne als Wohnraum beschlossene Sache ist..

Vielleicht sind derart große und weitreichende Projekte erst von einer gemeinsamen Städteregion Bonn-Rhein-Sieg, nach dem Vorbild der jüngst gebildeten Städteregion Aachen, zu verwirklichen? Jedenfalls ist zur Zeit eigentlich das Gegenteil von Schmidts Spruch in Bonn anwendbar: „Wer keine Visionen hat, trete wieder in die zweite Reihe zurück“. Und dass die zurückgetretenen Stadtoberen Bonns sich nun auch noch vor Gericht für den WCCB-Skandal verantworten müssen, setzt der ganzen Sache noch die Krone auf. Da sind wir sprachlos und hoffen für alle Beteiligten, dass es glimpflich ausgeht.


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