Als Erfinder der Goldbären ist er unsterblich

Vielleicht war es das Amulett, das er in der Regel statt Krawatte um den Hals trug, welches Dr. Hans Riegel junior ein langes, erfülltes Leben ermöglichte. Nicht nur mich haben die süßen Erfindungen aus dem Bonner Süden mein ganzes Leben begleitet.

Und wie wahrscheinlich die meisten Leute ihre eigene Geschichte zu Gummibärchen und Co. parat haben (besonders die Menschen, die Jahrzehnte im Bonner Süden mit und von HARIBO gelebt haben und mit dem König der Goldbären eine Unzahl an persönlichen Begegnungen und Erlebnissen verbinden), kann auch ich als Zugereister mit einer aufwarten, im Gedenken an den Mann, der Erwachsene und Kinder ebenso froh gemacht hat.

Bei einem Sonntagsbesuch in der Heimatsstadt meiner Eltern und Großeltern, nach meiner Erinnerung im Alter von fünf Jahren, bekam ich die Gummibärchentüte von meiner Oma geschenkt. Schon während der Rückfahrt im Auto aß ich den Inhalt restlos auf. Um die Tüte vor dem Zugriff meiner Geschwister zu schützen, versteckte ich mich so gut wie möglich in dem Jackett meines Vaters, das er hinter dem Fahrersitz aufzuhängen pflegte.

Im Jackendunkel entwickelte sich ein eigenes Geschmacksempfinden für die unterschiedlichen Sorten, das ich später immer wieder zu bestätigen versuchte.

Dann kam mit der Herbstzeit die alljährliche Kastanienkampagne. Sie wird trotz des Todesfalls auch in diesem Jahr stattfinden und sich zu einem Gedenkritual entwickeln. Meine Kindheitserinnerungen bringen herbstliche Nebel und alte Kastanienbäume zum Vorschein, unter denen wir morgens auf dem Schulweg um die Wette die nachts vom Baum gefallenen Früchte in unseren Schulranzen bargen. Die Gewichtszunahme war nicht unerheblich.

Kalender Apotheker Hausdorffstraße - Oktober 2007: OktobärUnd stets war dieser Tag, an dem wir die gesammelten Kastanien nach Kessenich brachten, ein Ereignis von besonderer Güte. Damals wurden die Kastanien noch in der Hans-Riegel-Badmintonhalle gegen die Naschereien getauscht. Man musste lange Schlange stehen, aber am Schluss waren wir überglücklich Das süße Zeug musste hinterher stets von unseren Eltern rationiert werden, damit wir uns nicht überfraßen an Marshmallows, Weingummis und köstlichen Lakritzen.

Später im Studium sollten wir einmal eine eigene Rezeptur entwickeln. Ich erinnerte mich natürlich sofort an das von mir stets favorisierte Aroma der weißen Gummibären, von denen trauriger Weise immer am wenigsten in der Tüte waren. So wollten wir unsere Eigenkomposition mit eben diesem Aroma krönen und machten uns erneut auf den Weg nach Kessenich, ich schickte meine Studienkollegin vor und tatsächlich hatte der Lebensmittelchemiker des Hauses eine kleine Tropfflasche mit dem wertvollen Aroma für uns übrig. Der Chef des Hauses war schon immer für seinen Charme bekannt, wenn er sich auch in diesem Fall durch einen Mitarbeiter offenbarte.

Zwei Jahrzehnte später führte mich mein Weg nach längerer Abwesenheit nochmals nach Kessenich, es war wieder Herbst und an Tagen wie diesen strömt das Aroma besonders fein aus der Wiege der Goldbären. Es war vielleicht ein Grund hierzubleiben, es war ein Stück Heimat.

Mögen die Goldbären uns als Erinnerung an seinen Erfinder Dr.Hans Riegel jr. für immer erhalten bleiben, auch wenn aus der alten Fabrik vielleicht irgendwann ein Museum wird!